Das ist natürlich erst einmal eine Überraschung und - für Fans - auch eine sehr negative, denn es bedeutet quasi, dass David nach "Same Same" eine Weile von der Bildfläche verschwinden wird.
Auf der anderen Seite finde ich die Entscheidung an sich recht klug. Ich denke, dass seine Karriere momentan auch erst einmal das Ende der Fahnenstange erreicht hat. Er ist bald zum dritten Mal quasi in der gleichen Rolle zu sehen, als Junge, der durch die erste Liebe einem repressiven System entkommt ("Krabat" die Mühle, "Vorleser" sein biederes Zuhause, "Same Same", das enge Hamburg) und da ist es schon verständlich, dass er nun seine Fähigkeiten als Schauspieler erweitern will.
Ich glaube, so aus der Ferne, generell, dass er das Gefühl hat, das, was er erreicht hat, irgendwie nicht verdient zu haben, bzw., dass es fast von alleine geschehen ist. Immer wieder kamen ja solche Sätze wie "ich hatte nur Glück" und ich glaube, dass David ein Typ ist, der genau sieht, wieviele Jungschauspieler sehr hart ackern müssen, bis sie die ersten Rollen bekommen und ich denke, er will jetzt quasi damit gleichziehen.
Ist natürlich reine Spekulation.
Aber er hat jetzt die Schule für den Beruf geschmissen und natürlich gibt es dann immer auch das Bedürfnis, etwas handfestes zu haben wie eine feste Ausbildung.
Auf der anderen Seite finde ich aber auch, dass gerade seine Stärke darin liegt, dass er eine unheimliche Natürlichkeit besitzt, eine Aufrichtigkeit und, wie es mir mal jemand erzählt hat, die mit ihm gearbeitet hat, eine "Unverbrauchtheit". Und ich glaube, gerade, wenn er das ausspielt, ist er am Besten.
Die Gefahr bei ihm ist, dass diese Natürlichkeit verloren geht, wenn es zu sehr durchinszeniert wird.
So sehr ich seine Leistung im "Vorleser" respektiere, wirklich zu seinem Fan wurde ich durch "Knallhart", weil alles, was man dort sieht, ist eben irgendwo er und das spürt man. Diese zwei Szenen, einmal am Anfang, wenn er zum ersten Mal zusammengeschlagen wird und einmal am Ende, wenn er um sein Leben fleht, das sind, wie ich finde, bis heute seine allerstärksten Sachen, da passiert was im Film, im Zuschauer. Vielleicht passt er deswegen auch gut mit Buck zusammen, denn Buck ist, denke ich, auch jemand, der sehr aus dem Bauch arbeitet und nicht so sehr aus dem Gedanken. Bin deswegen auch sehr auf "Same Same" gespannt.
Auf der anderen Seite kommt jeder Künstler an dem Moment, wo er sich mit der Technik auseinandersetzen muss und zuerst zieht jeden die Technik etwas herunter, bis sie in Fleisch und Blut übergeht.
Ich hoffe zumindest sehr, dass vor allem der Plan, nach London zu gehen, für ihn wirklich aufgeht. Denn ich glaube, es ist sehr schwer, nicht in der Muttersprache Technik zu erlernen und auch wenn er perfekt Englisch sprechen kann, ich kann mir nicht so gut vorstellen, dass Engländer und Amerikaner ihn für nicht deutsche Rollen besetzen. Denn da gibt es nochmal einen ganz anderen Pool von Leuten, die eben dann doch anders Englisch sprechen als jemand, der es technisch perfekt gelernt hat. Denn man fühlt die Sprache auch anders, wenn es die Muttersprache ist. Und gerade Englisch ist sehr, sehr vieldeutig, es stecken da ganz feine Betonungsunterschiede drin.
Und David Kross' Basis ist in Deutschland und die Technik für deutsche Sprache ist ganz anders als die Technik für die englische Sprache.
Ist natürlich seine Sache, aber warum er nicht z.B. an die Ernst Busch in Berlin geht, um dort in seiner Muttersprache das Handwerk zu erlernen, das kann vermutlich nur er beantworten.
Ist doch etwas länger geworden, aber ich wollte irgendwie mal ein wenig drüber meditieren. Ist auf alle Fälle eine risikoreiche Sache. In drei Jahren wird die Fanbasis, die er sich mühsam aufgebaut hat, vermutlich verschwunden sein und er wird quasi wieder bei Null anfangen, was vielleicht genau das ist, was er will.
Ich werde ihn definitiv auf der Leinwand vermissen.